Die Tour auf den Predigtstuhl bei Bad Reichenhall ist eine dieser Bergwanderungen, bei denen die Route alles entscheidet: kurz und steil, länger und gleichmäßiger oder als Höhenrunde mit Seilbahn. Ich gehe hier die sinnvollen Varianten durch, ordne die Schwierigkeit ein und zeige, welche Ausrüstung und Planung im Lattengebirge wirklich Sinn ergeben.
Die wichtigsten Punkte für deine Tour
- Der Predigtstuhl ist mit 1.613 Metern ein echter Berggipfel und keine gemütliche Spazierroute.
- Der Waxriessteig ist die direkteste, aber auch anspruchsvollste Talvariante.
- Die Röthelbachstraße gilt als die entspanntere Route, bleibt aber trotzdem eine Bergtour.
- Mit der Seilbahn lässt sich die Tour deutlich verkürzen, ohne den Gipfelcharakter zu verlieren.
- Bei Nässe würde ich die steilen Steige deutlich konservativer bewerten als bei trockenen Verhältnissen.
Warum der Predigtstuhl mehr ist als nur ein Gipfelziel
Wenn von einer Wanderung auf den Predigtstuhl die Rede ist, ist fast immer der Berg bei Bad Reichenhall im Lattengebirge gemeint. Genau dort liegt der Reiz: Der Gipfel bietet einen starken Aussichtspunkt, aber der Weg dorthin kann sehr unterschiedlich ausfallen. Je nach Einstieg bekommst du eine kurze, alpine Linie, eine längere Talwanderung oder eine Kombination mit der Bergbahn.
Ich würde diese Tour nicht als lockere Genusswanderung einordnen. Mehrere Zustiege verlangen Trittsicherheit, also einen sicheren Stand auf schmalen, steilen oder unruhigen Wegpassagen. Schwindelfreiheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass auch etwas ausgesetzte Stellen oder sichtbare Abhänge kein Problem für dich sind. Genau deshalb lohnt es sich, die Route vorab sauber zu wählen und nicht nur auf die Gipfelhöhe zu schauen.
Wer den Predigtstuhl richtig einordnet, spart sich Frust am Weg und bekommt oben die Aussicht, für die sich die Anstrengung lohnt. Daraus ergibt sich die wichtigste Frage: Welche Variante passt wirklich zur eigenen Kondition?

Welche Route ich je nach Kondition wählen würde
Ich entscheide solche Touren immer nach drei Punkten: Wie fit bin ich, wie viel Zeit habe ich, und will ich den Gipfel wirklich aus eigener Kraft erreichen oder lieber mit der Bahn kombinieren? Beim Predigtstuhl gibt es dafür mehrere sinnvolle Optionen, die sich in Zeit, Charakter und Anspruch deutlich unterscheiden.
| Variante | Gehzeit | Charakter | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| Waxriessteig | ca. 3 Stunden | Steil, schmal, direkter Anstieg | Für geübte Berggeher mit sicherem Tritt |
| Alpgartensteig | ca. 4 Stunden | Steiles Gelände, klassischer Bergweg | Für sportliche Wanderer mit guter Grundkondition |
| Röthelbachstraße | ca. 4 Stunden | Längerer Anstieg, zunächst Forststraße, dann Wanderweg | Für alle, die eine weniger ruppige Talvariante suchen |
| Moosensteig oder Mordaualm | ca. 6 Stunden | Längere Bergtour, Teil des Almerlebniswegs | Für geübte Berggeher, die einen langen Tag am Berg mögen |
| Höhenrunde ab der Bergstation | ca. 2:23 Stunden für 6,2 km | Anspruchsvolle Gipfeltour auf Höhenwegen | Für alle, die mit der Seilbahn starten und oben noch wandern wollen |
Mein kurzer Praxis-Check: Der Waxriessteig ist die kompromissloseste Linie, weil er schnell Höhe gewinnt und den Bergcharakter sofort zeigt. Der Alpgartensteig ist ähnlich ernst zu nehmen, wirkt aber etwas runder. Die Röthelbachstraße klingt auf dem Papier entspannt, ist aber immer noch eine echte Bergtour und nicht mit einer normalen Forstweg-Runde zu verwechseln. Wer zum ersten Mal hier unterwegs ist, fährt mit der Kombination aus Seilbahn und Gipfelrunde oft am saubersten.
Wichtig ist auch eine kleine, aber praktische Unterscheidung: familientauglich heißt hier nicht kinderwagentauglich. Es bedeutet lediglich, dass die Strecke im Vergleich zu den Steigen weniger technisch wirkt. Für kleine Kinder ohne Bergerfahrung bleibt auch diese Variante trotzdem eine Tour, die man realistisch einschätzen muss.
Welche Route am besten passt, hängt also weniger vom Namen als vom eigenen Tagesziel ab. Genau dort setzt die Tourenplanung an.
So plane ich Anstieg, Einkehr und Rückweg ohne Stress
Ich plane für den Predigtstuhl immer mit Puffer. Aus 3 oder 4 Stunden Gehzeit werden mit Pausen, Fotostopps und einer Einkehr schnell 4,5 bis 6 Stunden. Wer zu knapp kalkuliert, macht aus einer schönen Bergtour unnötigen Druck. Gerade im Abstieg merkt man dann sehr schnell, ob man die Runde noch sauber zu Ende gehen kann.Bei Nässe würde ich besonders den Waxriessteig kritisch sehen. Ein steiler und schmaler Steig funktioniert bei trockenen Bedingungen gut, verliert bei Feuchtigkeit aber sofort an Qualität und Sicherheit. Das ist kein theoretischer Hinweis, sondern in der Praxis oft der Unterschied zwischen flüssigem Gehen und dauernder Vorsicht.
Auch die Logistik ist einfacher, wenn du sie vorab klar festlegst. Wer an der Predigtstuhlbahn parkt und ein Berg- oder Talfahrtticket nutzt, kann die Parkgebühr vergünstigt bekommen. Ohne Auto ist es sinnvoll, die Route so zu wählen, dass Bushaltestellen oder Bahnhaltepunkt wirklich zum Einstieg passen, statt nur auf der Karte gut auszusehen.
- Starte früh, besonders an warmen Tagen.
- Lege die Abstiegvariante schon vor dem Aufstieg fest.
- Plane mindestens 20 bis 30 Prozent Zeitpuffer ein.
- Prüfe am Morgen die Bodenfeuchte und die Windlage am Gipfel.
- Wenn du eine Einkehr einbauen willst, rechne sie nicht als Pausenersatz.
Für mich ist die beste Saison für diese Tour der trockene Zeitraum vom späten Frühjahr bis in den Herbst. Sobald Schnee, Reif oder dauerhaft nasser Untergrund dazukommen, verändert sich der Charakter deutlich. Dann wird aus einer Wanderung schnell eine kleine alpine Unternehmung, und genau so sollte sie auch behandelt werden.
Nach der Planung kommt der Teil, an dem viele zwar sparen wollen, der aber am Berg die meiste Wirkung hat: die Ausrüstung.
Welche Ausrüstung hier wirklich zählt
Bei der Ausrüstung würde ich nicht übertreiben, aber auch nichts schönreden. Der Berg wirkt von unten oft freundlicher, als er oben tatsächlich ist. Gerade auf steilen und schmalen Abschnitten merkt man schnell, ob das Material mitarbeitet oder stört.
- Bergschuhe mit griffiger Sohle: Ich würde keine Kompromisse bei der Sohle machen, weil Halt auf den Steigen wichtiger ist als jedes Gewichtsargument.
- Wasser: Mindestens 1,5 bis 2 Liter für eine Halbtagestour, bei Wärme eher mehr.
- Wetterschicht: Ein leichter Wind- und Regenschutz gehört selbst an scheinbar stabilen Sommertagen in den Rucksack.
- Trekkingstöcke: Auf Forstwegen und im Abstieg nützlich, auf felsigen Passagen aber eher verstaut als in der Hand.
- Offline-Karte oder GPX: Ich verlasse mich in den Bergen nicht nur auf Mobilfunkempfang.
- Kleine Erste-Hilfe und Blasenpflege: Unscheinbar, aber bei langen Abstiegen oft der Unterschied zwischen weitergehen und abbrechen.
Was ich eher klein halte, ist unnötiges Zusatzgewicht. Ein zu großer Rucksack, viel Wechselkleidung oder überflüssiges Proviantmaterial machen gerade auf steilen Passagen mehr kaputt als sie nützen. Wer leicht und sinnvoll packt, geht am Ende nicht nur schneller, sondern auch sauberer und sicherer.
Damit ist die Ausrüstung abgehakt. Im nächsten Schritt lohnt sich der Blick auf die typischen Denkfehler, die auf dieser Tour immer wieder vorkommen.
Die Fehler, die ich auf dieser Tour vermeiden würde
Der größte Fehler ist für mich fast immer derselbe: Leute bewerten die Tour nach der Gipfelzeit und nicht nach dem Rückweg. Gerade am Predigtstuhl kostet der Abstieg oft mehr Kraft als man anfangs einplant. Wer oben schon leer ist, hat unten keinen Spielraum mehr.
- Den Aufstieg unterschätzen: Steile Steige sehen auf der Karte harmloser aus, als sie sich im Gelände anfühlen.
- Den Abstieg vergessen: Die Beine entscheiden oft erst auf dem Rückweg, wie angenehm die Tour wirklich war.
- Nasse Passagen wegreden: Bei Feuchtigkeit wird aus einem guten Weg schnell ein vorsichtiger Gang.
- Familientauglich falsch lesen: Das ist nicht automatisch eine Route für kleine Kinder oder entspanntes Schlendern.
- Zu wenig trinken: Auf längeren Anstiegen merkt man Flüssigkeitsmangel oft erst, wenn die Leistung schon fällt.
Ein weiterer Klassiker ist die falsche Ehrlichkeit gegenüber der eigenen Kondition. Viele wählen die steilste Route, weil sie auf dem Papier kürzer wirkt, und ärgern sich dann über die gleichmäßige Belastung. Ich würde lieber einen leicht längeren, aber ruhigeren Weg wählen, als unterwegs in einen unnötigen Kampfmodus zu geraten.
Wenn man diese Fehler vermeidet, wird die Tour deutlich entspannter. Damit bleibt zum Schluss nur noch die Frage, worauf ich beim Predigtstuhl persönlich am meisten achte.
Worauf ich bei der Predigtstuhl-Tour am Ende am meisten achte
Für mich ist der Predigtstuhl kein Berg, den man einfach abhakt, sondern einer, den man sinnvoll zusammenstellt: Route, Wetter, Tempo und Rückweg müssen zusammenpassen. Dann bekommt man eine Tour, die sportlich genug ist, aber nicht unnötig hart wirkt. Genau das macht ihren Reiz aus.
- Ich wähle die Route nach Tagesform, nicht nach Ehrgeiz.
- Ich gehe lieber bei trockenen Bedingungen los als unter Zeitdruck.
- Ich nutze die Seilbahn als Werkzeug, nicht als Notlösung.
- Ich plane den Abstieg so, dass ich noch Reserven für Konzentration habe.
Wenn ich nur einen Rat mitgeben dürfte, dann diesen: Plane die Predigtstuhl-Tour so, dass der Rückweg noch sauber geht, wenn die Gipfeleuphorie längst vorbei ist. Genau dann zeigt sich, ob die gewählte Route wirklich zu dir passt.